„Ich muss erzählen“: Vom Wert der Freiheit Fluchthelfer und DDR-Kritiker Wolfgang Welsch an der GSC
Drei Mordanschläge, Isolationshaft, Verrat durch die eigene Ehefrau: Was nach Zutaten für einen Agenten-Thriller klingt, hat Wolfgang Welsch tatsächlich erlebt. Der Regimekritiker und Fluchthelfer, der in diesen Tagen 82 Jahre alt wird, erzählte aus seinem lebenslangen Kampf gegen den Unrechts-Staat DDR. Und davon, wie ihn dessen lange Hand, der DDR-Geheimdienst „Stasi“ bis in die BRD und um die halbe Welt verfolgte.
Auf der Autobahn bei Darmstadt sollte ihn eine Zeitbombe bei 140 Km/h in die Luft jagen, ein Scharfschütze verfehlte sein Ziel bei London um ein Haar – Wolfgang Welsch kramte in entscheidender Sekunde im Fußraum des Wagens nach seiner Pfeife – und in Israel entging er mit nicht weniger Glück einem Giftanschlag. Dass ihn bei allem noch seine Frau an die Stasi verriet – eine weitere tragische Zugabe im Leben eines Menschen, der alles gab, Widerstand zu leisten gegen einen Staat, der nichts mehr fürchtete als die Freiheit seiner Bürgerinnen und Bürger.
Welsch erzählte vor den Abiturientinnen und Abiturienten der GSC am Mittwoch, 04.02. aus seinem Leben mit derartig spannenden Details angereichert, dass einem buchstäblich der Atem stockte. Man reibt sich die Augen, wenn man den Erzählungen zuhört und erkennt, dass die Freiheit dem DDR-Regime ein solcher Dorn im Auge war, dass es glaubte, sich selbst mit heimtückischen Mordanschlägen zu retten. Was für ein Glück, dass die Stasi im Falle Wolfgang Welsch gescheitert ist.
Bereitwillig stellten die jungen Leute aus dem Publikum noch viele Fragen, die Welsch noch bereitwilliger beantwortete. Kein Wunder also, dass aus den eigentlich geplanten zwei Unterrichtsstunden kurzerhand vier wurden – ohne Pause wohlgemerkt! Auf die Frage einer Schülerin, wie er mit der Traumatisierung zurechtkomme, antwortete er: „Ich muss erzählen!“ Und auf die Frage, wie er das Treffen mit dem vermeintlichen Freund, der sein Killer sein sollte, erlebt habe, erzählte er auf bewegende Weise, wie er ihm als „Glaubenschrist“ spontan vergeben habe.
Wolfgang Welsch hat seine Geschichte in einem Buch erzählt, sie wurde verfilmt und er wurde für seinen Widerstand gegen den Unrechts-Staat DDR und für seinen Einsatz für Freiheit und Menschenrechte ausgezeichnet. Seine zentrale Botschaft als Zeitzeuge aus dem Deutschland des Kalten Krieges: Freiheit ist das Allerwichtigste.
























